Wegweiser

Daisy Ginsberg

„Die Natur ist mein Publikum.“
Daisy Ginsberg

Gartenkunst, auf die Insekten fliegen

Alexandra Daisy Ginsberg ist froh, dass ihr Garten so chaotisch aussieht. Zumindest nicht so durchkomponiert, wie sie selbst als Mensch das 722 Quadratmeter große Pflanzenmeer vor dem Berliner Naturkundemuseum wohl gestaltet hätte. Dahinter steckt ein Algoríthmus, der die Gärten aus Insektensicht plant und so Bestäuber anlocken soll. Mit einer Handvoll Fachleuten und Unmengen an Daten hat Ginsberg einen Code entwickelt, der dabei hilft, die Welt mit den Augen einer Schwebfliege, einer Hummel oder eines Schmetterlings zu sehen. „Ein Glück“, sagt die britische Künstlerin, denn genau um so einen Perspektivwechsel geht es bei ihrem lebenden Werk Pollinator Pathmaker, übersetzt in etwa Bestäuber-Wegbereiter.

2020 bekam die heute 41-Jährige, die sich in ihren Arbeiten mit der Beziehung zwischen Mensch, Technik und Natur beschäftigt, in Cornwall den Auftrag für ein Werk zum Insektensterben. Dabei kam ihr die Idee, die Natur als Publikum zu sehen – ein empathischer Ansatz. Zwei Jahre später wächst in der britischen Grafschaft eine wild wuchernde Blumenwiese, die erste Version des Pollinator Pathmakers. Die Version in Berlin, organisiert von der Stiftung LAS Art Foundation, ist bereits die dritte. Hinter dem surrenden Pflanzenwirrwar stecken ein ausgeklügelter Algorithmus und die Frage: Wie können wir Technik so einsetzen, dass sie am Ende nicht nur uns nutzt, sondern anderen Arten?

Noch bis Ende 2026 soll Ginsbergs Garten auf dem Vorplatz des Berliner Naturkundemuseums blühen. Das Projekt können aber auch alle zu Hause ausprobieren und damit eigene Gärten anlegen: Auf der Website pollinator.art kreiert der Algorhitmus nach ein paar Mausklicks eigene Gartenkunstwerke nach Wunsch, angepasst an den Standort, samt Anbauplan, Sorten, Anleitung und 3D-Vorschau. Mit der Maus kann man die Kreation drehen, ein kurzes Video zeigt, wie sich der Garten mit den Jahreszeiten verändern wird. Auch Ginsberg selbst hat so einen eigenen Pollinator Pathmaker vor ihrer Haustür gepflanzt. An einem Ende schießt der Engelwurz zweieinhalb Meter in die Höhe, das andere Ende ist raspelkurz. „Wirklich schräg“ sehe das aus, sagt sie und ist zufrieden.

Daisy Ginsberg